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Einen Monat später: "Vero - True Social" nach dem Hype

Einen Monat später: "Vero - True Social" nach dem Hype

Nach erstem Ansturm stagniert das Wachstum
5 April 2018

„Veni, vidi…“ für Vero bleibt das „vici“ erstmal aus. Viele sind zur frisch gehypten Social-Media Plattform „Vero – True Social“ gekommen, noch mehr haben sie in den Medien gesehen. Aber einen Monat später zeigt sich: Ein dauerhafter Gewinner ist die Plattform noch nicht.

Am Anfang war der Hype

Noch vor einem Monat war die Vero in aller Munde. Wenn Konkurrenz zu einem Branchenriesen scheinbar wie aus dem Nichts erscheint, dann wird sie gern ohne langes Zögern als „Killer“ gehyped. Der Facebook- bzw. Instagram-Killer sollte Vero sein, sollte die führenden Social Media Plattformen endlich in ihre Schranken weisen und eine wirkliche Alternative bieten.

Was Vero bietet, klingt auf den ersten Blick auch tatsächlich sehr positiv: Zum einen wirbt die App damit nur Inhalte anzuzeigen, die der User auch wirklich sehen will. Heißt: Man sieht Beiträge von Freunden und allgemein Leuten, denen man folgt, und zwar ungefiltert und in chronologischer Reihenfolge. Der von vielen verhasste Algorithmus fällt weg, der für den User (mit-)entscheidet, was sie oder ihn interessieren könnte und es daher im Feed zeigt, während andere Dinge herausgefiltert werden. Gleiches gilt für Werbeanzeigen in ihrer bekannten Form, da die App offiziell über Mitgliedergebühren finanziert werden soll. In Kraft getreten sind diese Gebühren jedoch nach wie vor noch nicht.

Holpriger „Start“

Eigentlich existiert Vero schon seit 2015. Der große Boom kam aber erst in diesem März. Es wollten sich so viele neue User registrieren, dass die Server sogar unter der Last zeitweilig zusammenbrachen, mitunter angetrieben wohl auch durch das Versprechen, dass sie erste Millionen User lebenslang die angekündigten Mitgliedergebühren nicht zahlen müsste. Als diese Zahl schneller erreicht war als geplant, gab es dann aber auch für die danach registrierten Benutzer keine Zahlungspflicht. Vielleicht auch gerade wegen der anfänglichen technischen Schwierigkeiten. So oder so ist die künstliche Verknappung, die das Millionen-User-Versprechen schuf, sicher aus Marketing-Sicht eine gute Idee gewesen. Die Angst, etwas zu verpassen ist stets ein starker psychologischer Antrieb. Sie ist aber nur ein Faktor von vielen, denn bei der Eigendynamik menschlichen Verhaltens kann man kaum den Finger auf „die eine“ Ursache für Veros plötzliche Bekanntheitsexplosion legen.

Soziale Medien brauchen Interaktion

Die Ausgangslage für Vero und andere Neueinsteiger ist allem Hype zum Trotz nach wie vor nicht leicht. Selbst jetzt, wo Facebook eindeutig noch ganz andere Probleme hat, ist die schiere Menge registrierter User für soziale Netzwerke einfach zu relevant. Der Vorsprung, den Facebook, Instagram und Co. hier mittlerweile erarbeitet haben, macht einen Einstieg in den Social-Media-Markt enorm schwer. Vero hat nach seinem sprunghaften Wachstum jetzt knapp drei Millionen User. Zum Vergleich: Bei Instagram liegt die Zahl monatlich bei etwa 800 Millionen. Das sind Größenunterschiede, die sich nicht nur mathematisch zählbar, sondern auch bei der Aktivität im jeweiligen Feed fühlbar sind. Denn mit zu kleinem sozialen Netz fühlt sich ein soziales Netzwerk einfach in mehrfacher Hinsicht leer an. Bei vielen der drei Millionen Usern ist nach der anfänglichen Euphorie daher auch jetzt kaum noch etwas los. Wohl auch deswegen haben viele nach dem ersten Hype mittlerweile enttäuscht den Weg zurück zu den „klassischen“ sozialen Medien angetreten. Eine Social Media Plattform lebt nicht dadurch, User zu gewinnen, sondern vor allem dadurch, diese User auch zu halten. Vero jetzt schon als „tot“ zu bezeichnen wäre voreilig. Aber der Hype war hier wie in so vielen Fällen wohl größer als das, was am Ende dabei wirklich herumkam.

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