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Piwik ist jetzt Matomo - und eine Gefahr für Google Analytics?

Piwik ist jetzt Matomo - und eine Gefahr für Google Analytics?

Warum der Marktführer sich nicht auf seiner Stellung ausruhen sollte
1 März 2018

Wer Erfolg will, muss ihn messen können. Für Websites oder Apps ist Google Analytics nach wie vor Marktführer der Tracking-Tools. Aber es gibt Alternativen: Besonders spannend ist das Open-Source Tool Matomo, das früher Piwik hieß und besonders in der EU realistische Chancen hat, dem Branchenriesen in naher Zukunft ernsthaft Konkurrenz zu machen. Wir haben verglichen.

Google ganz oben

Im Bereich der Webanalyse-Tools ist Google Analytics nach wie vor mit großem Abstand Marktführer: Trotz einer Vielzahl von Anbietern liegt dessen Marktanteil noch immer bei mehr als 80%. Das ist auch wenig verwunderlich: Das Tool ist in der Basis kostenlos und umfangreich. Vor allem aber genießt es einen enorm viel höheren Bekanntheitsgrad als all seine Konkurrenten – Einen Google Account haben heutzutage die allermeisten, als Suchmaschine ist Google die Browser-Startseite schlechthin. Googles Analyse-Tool zum tracken der eigenen Webseiten und Apps zu verwenden liegt also für die meisten nahe – Denn warum sollte man sich nach Alternativen umschauen?

Datenschutz mit Eigenverantwortung

Google Analytics ist vergleichsweise leicht in die eigene Weblösung zu integrieren, außerdem gibt es einen riesigen Umfang an Fachliteratur und Guides speziell zum Thema. Das heißt aber nicht, dass beim Branchenriesen alles perfekt ist: Er ist höchst kommerziell, bietet nicht immer die besten Daten und läuft zwangsläufig über Fremdserver, was datenschutzrechtlich gerade in der EU nicht unbedenklich ist.

Matomo macht hier einiges anders. Zunächst einmal dadurch, dass die Zählung der Besucher auf dem eigenen Server erfolgt und nicht erst an Dritte übermittelt werden muss. Nachteil: Die Einrichtung ist aufwendiger und erfordert mehr Know-How als bei Google. Vorteil: Mehr Kontrolle – Da keine Daten bei Drittanbietern hinterlegt werden, bietet Matomo eine bessere Rechtssicherzeit nach EU-Recht. Stichwort: Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) Ende Mai. Mit mehr Kontrolle geht aber wiederum mehr Verantwortung einher: Denn wer selbst die Daten speichert, muss sich auch selbst um deren Sicherheit kümmern.

Werben mit „Ehrlichkeit“

Was Größe und Bekanntheit betrifft ist Matomo noch „David“ im Vergleich zum „Goliath“ Google. Bis vor kurzem lautete der Markenname auch noch anders: Der Dienst war als „Piwik“ bekannt, wurde erst am 9. Januar dieses Jahres zu „Matomo“ geändert. Das ist in quasi allen Sprachen leicht auszusprechen und bedeutet auf japanisch bedeutungsschwer „Ehrlichkeit“. Nicht zuletzt setzt die Umbenennung aber auch ein Zeichen, denn eine Marke umzubenennen ist kein Schritt, der unüberlegt sein will. Kurzfristig werden dadurch Einbußen im Wiedererkennungswert hingenommen. Das sagt aber auch: Kurzfristiger Erfolg ist nicht das Ziel. Matomo ist da um zu bleiben.

Qualität und keine Limits

Als Open-Source Software bietet Matomo größte Transparenz. Google limitiert bei Analytics die Zahl der Datensätze 10 Millionen Aktionen pro Monat und auf 50 unterschiedliche Projekte. Matomo hat diese Grenzen nicht, wenngleich sie hauptsächlich für größere Agenturen wirklich zum Problem werden dürften. Auch die Qualität der Datensätze kann bei Matomo sehr gezielt kontrolliert werden – bis hin zum Tracking eines einzelnen, individuellen Kunden.

Dafür erfordert Matomo als Lösung mehr Eigeninitiative als Google Analytics und kann zudem Mehrkosten verursachen: Zum Beispiel durch eventuelle Zusatzkosten beim Hosting, die mit dem höheren Installationsaufwand einhergehen. Die Alternative Cloud-Lösung wird nach einem Testmonat ihrerseits kostenpflichtig. Trotzdem ist Matomo durchaus eine gute Alternative zum Branchenriesen. Vor allem, wenn sich Google auf seiner Marktführerstellung zu sehr ausruht, haben Anbieter wie das ehemalige Piwik realistische Chancen, größere Bereiche des Tracking-Tool-Marktes zu erobern.

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